Frühlingsanfang - Silberstreif am Horizont: Bewusstseinswandel
beginnt …
Rolf Böttner/Alexandra Lène
"Finanz-, Wirtschafts- und Klimakrise - was nun?" Während Wirtschaft
und Politik auf eine rasche "Erholung der Märkte" setzen, fordern
andere eine grundlegende Änderung des Konsumverhaltens. SWR TV stellt
seit 26.02.09 in der Odysso-Serie "Die grünen Retter" Menschen vor,
die Konzepte zum Stopp der Verschwendung von Energie und Rohstoffen
bzw. den steigenden Ausstoß des Treibhausgases CO2 entwickelten.
Wir kommentieren nach dem Universal-Prinzip.
Private Haushalte und Industrie sind zu je 50% am CO2-Ausstoß
beteiligt
"Unser Klima verändert sich, und jeder Einzelne trägt zur Erderwärmung
bei. Wie sehr dies geschieht, hängt davon ab, wie wir wohnen, was
wir essen, wie wir verreisen. Klimaschützer appellieren schon lange
an unser Umweltgewissen. Sie weisen darauf hin, dass bereits kleine
Veränderungen eine große Wirkung haben: So könnte etwa die Leistung
eines oder sogar zweier Kernkraftwerke eingespart werden, wenn allein
in Deutschland auf den Standby-Modus bei Haushaltsgeräten verzichtet
würde. Das klingt beeindruckend, aber können wir wirklich mit Energiesparlampen,
Mülltrennung oder Kochen mit Deckel unseren Planeten retten?"
Die Antwort lautet ja, denn in Deutschland sind private Haushalte
und Industrie zu je 50% am CO2-Ausstoß beteiligt. Und was heißt
Industrie, ist die etwa abgekoppelt? Nein, auch die Industrie arbeitet
ja letztlich für den privaten Verbrauch.
"Bisher verursachen wir Deutschen im Durchschnitt insgesamt 10 bis
12 t CO2./Jahr (…) Die privaten Emissionen verteilen sich auf das
Heizen der Wohnung, die Warmwasseraufbereitung, die Mobilität und
den Konsum. Hier fallen etwa 5 t /Jahr an. Wenn alle Menschen auf
der Welt so verschwenderisch lebten, würde das System in kürzester
Zeit kollabieren. Um dies zu verhindern, müssten wir den Verbrauch
auf 2 t pro Person reduzieren."
Nicht "Verzicht" lautet die Lösung, sondern "Intelligent Leben"
"Nicht Verzicht lautet die Lösung, sondern strategisch einkaufen,
sagt der Ökonom Michael Bilharz vom Umweltbundesamt Dessau. Und
verrät auch gleich, wie das geht. Jedes Produkt, aber auch jeder
Mensch, hinterlässt nämlich einen so genannten ökologischen Fußabdruck.
Und der lässt sich messen in kWh Energieverbrauch und t CO2 -Ausstoß.
So kann man die Warenwelt in gute und schlechte Produkte einteilen."
Intelligent leben in 3 Kategorien
Bilharz teilt den Konsumbereich in drei Kategorien ein:
1. Peanuts mit geringem Energie-Sparpotential wie Energiesparbirne,
Kochen mit Deckel oder Licht ausschalten, wenn man nicht im Raum
ist.
2. Big Points mit großem Sparpotential, die mindestens zehnmal mehr
CO2 vermeiden als Peanuts, wie Verzicht auf Flugzeugreisen.
3. Key Points mit sehr großem Sparpotential, die zu einem Trend
werden können. "Ein Trend entsteht nur, wenn gleichzeitig ein Vorteil
für den Sparer entsteht. Wir sind nur zum Umdenken bereit, wenn
wir das im Portemonnaie spüren, oder einen Imagegewinn erzielen
können."
- Heizen - entscheidend ist die Dämmung der Wohnung.
- Mobilitätsverhalten - ein Auto verursacht schon bei der Herstellung
hohe CO2- Emissionen.
Durch Carsharing könnte ein Auto das leisten, was 10 Autos in
Privatbesitz können.
- Geldanlage - wer in nachhaltige Energiewirtschaft investiert,
z. B. 10.000 € in eine Windanlage, neutralisiert seinen CO2-Ausstoß
von 12 t pro Jahr.
- Bio-Lebensmittel - vereinfacht gilt: alles, wo ein Biosiegel
drauf ist, ist gut.
Verwendung klimafreundlicher Produkte
Jeder von uns entscheidet mit seinem Kaufverhalten, welche Produkte
sich am Markt durchsetzen. Anhand einer Studie des Ökoinstituts
können wir uns künftig für klimafreundliche Produkte, deren Produktion
wenig CO2 -Ausstoß verursacht, entscheiden.
Wieviel CO2 steckt im Frühstücksei, im Kaffee, im Haarwaschmittel
oder in Toilettenpapier? Christian Hochfeld, Mitarbeiter am Ökoinstitut,
hat Produkte des täglichen Verbrauchs von der Herstellung bis zur
Entsorgung untersucht. Jedes hat einen "CO2-Fußabdruck". Alle zusammen
ergeben unseren persönlichen Fußabdruck. Und den müssen wir verkleinern."
- Toilettenpapier, ¾ der hohen CO2 -Emissionen werden durch die
Herstellung verursacht, der Rest durch Rohstoffgewinnung, Verteilung
und Entsorgung. Mit Recyclingpapier kann man CO2 in der Toilette
sparen.
- Frühstückseier, bereits die Aufzucht der Küken kostet Energie
für Licht, Wärme und Futter. 2/3 werden von Futtermitteln und
Zusatzstoffen bestimmt.
- Kaffee! Sein CO2-Fußabdruck entsteht bereits in den Anbauländern
durch Einsatz von Pestiziden, deren Herstellung das energiereichste
Element im Leben einer Kaffeebohne ist.
- Körperpflege, warmes Wasser kostet Energie - aber auch Pflegemittel
wie Shampoos. Einmal Haare waschen incl. Duschgel oder Shampoo
hat einen CO2-Fußabdruck von etwa 280 bis 300 g, das entspricht
etwa dem Fußabdruck von einem Frühstücksei.
- Wir müssen unseren "CO2-Fußabdruck" bis zum Jahr 2050 auf Kindergröße
reduzieren - das entspräche einer Reduzierung des heutigen Gesamt-Verbrauches
pro Person von etwa 11 t um 80%.
Emissionsrechte-Handel
International gibt es bereits einen Emissionshandel. Die Aachener
Stiftung Kathy Beys arbeitet nun an der Umsetzung eines persönlichen
CO2-Rechtehandels. Jeder Mensch könnte ein CO2-Konto erhalten mit
einem monatlichen Verbrauchsrecht von z. B. 2 t CO2.
Diese 2 t können dann je nach Bedarf verbraucht werden. Fährt man
ein energiehungriges Auto, muss dafür bei der Heizung gespart werden.
Wer mehr als 2 t CO2 verbrauchen will, muss sich Verbrauchsrechte
zukaufen, wer weniger verbraucht, kann verkaufen. Das könnte an
einer Börse geschehen.
Der Preis würde anfangs rasch steigen, weil wenige mit 2 t auskämen.
Die Nachfrage wäre höher als das Angebot, also müsse gespart werden.
Es würde günstiger, die Wohnungen zu isolieren, als zusätzliche
Emissionsrechte an der Börse zu kaufen. Die größere Nachfrage nach
sparsamer Technologie würde deren Entwicklung beschleunigen und
die Preise senken.
In Großbritannien wurde bereits eine Vor-Studie erstellt, doch Deutschland
ist davon noch weit entfernt. Die Hoffnung von Klaus Dosch von der
Stiftung ruht auf Präsident Obama, der im Wahlkampf ein CO2-Handelssystem
angekündigt hat. Wenn die USA als größter CO2-Emmitent der Welt
das richtige System auswählt, würde sich auch in der deutschen Politik
schnell etwas ändern. Quelle
Wir vom Team Universal-Prinzip finden alle Ansätze gut, greifen
diese doch endlich an den Ursachen der Probleme. Apropos Ursachen,
wie kam es bei uns eigentlich zu der großen Energie-Verschwendung,
zur Wegwerfgesellschaft? Schauen wir uns dazu unsere jüngere Geschichte
an:
Grenzenloses Wachstum Die Entwicklung der letzten 60 Jahre in Deutschland
verdeutlicht den steilen Anstieg des Wirtschaftswachstums bis hin
zum Exportweltmeister. Die blau markierten Passagen zeigen Appelle,
Aktionen und Bewegungen zur Vernunft, die von Weitblick zeugen:
- 1945 war Deutschland schwer zerstört, es herrschten Hunger
und Wohnungsnot, die meisten Betriebe waren zerstört, noch intakte
Anlagen wurden teilweise deportiert.
- Um die 50er begann im Zusammenwirken von Marschallplan, Marktwirtschaft
und Währungsreform im Westen ein Prozess des gegenseitigen "Aufschaukelns"
von Einkommen und Ausgaben, der als "Wirtschaftswunder" bezeichnet
wurde. Der allgemeine Lebensstandard verbesserte sich rasch, man
sprach von der Fresswelle.
- In den 60ern gab es Vollbeschäftigung, der Binnenmarkt war extrem
aufnahmefähig. Es entstanden SB-Märkte nach amerikanischem Vorbild
mit Einwegverpackungen; so wuchs auch die Müllproduktion Die Ansprüche
stiegen - erste Neubauwohnungen, Mobiliar, Telefon, Fernseher,
Elektrogeräte, Kleinwagen. Auslandsurlaube begründeten die Reisewelle.
1961 Mauerbau.
1962, warnte der damalige Wirtschaftsminister
Ludwig Erhard mit seinem Maßhalteappell eindringlich davor, zu
viel Geld auszugeben: "Noch ist es Zeit, aber es ist höchste Zeit,
Besinnung zu üben und dem Irrwahn zu entfliehen, als ob es einem
Volk möglich sein könnte, für alle öffentlichen und privaten Zwecke
in allen Lebensbereichen des einzelnen und der Nation mehr verbrauchen
zu wollen, als das gleiche Volk an realen Werten erzeugen kann
oder zu erzeugen gewillt ist."
1965 Beginn des Vietnamkrieges.
Die 68-er, zumeist unzufriedene Studenten, verwarfen traditionelle
Werte, setzten neue Tabus: weg mit Regeln, Pflichten, Ordnung,
Sauberkeit, Pünktlichkeit, Leben in Familien, Achtung der Älteren,
Kapitalismus, Nationalbewusstsein incl. Volkslieder, Märchen,
Sagen.
Man konsumierte etwas Mao, eine Prise Marx, dazu ein bisschen
Ho Chi Min. Das Ganze verrühren und kurz köcheln lassen, dann
einen Löffel Hesse unterheben. Serviert wird mit einem Salat aus
freier Liebe - dazu gibt es ein Glas Unerfahrenheit.
1969 Woodstock sowie Einsetzen einer Technikeuphorie durch die
Mondlandung.
- In den 70-ern markierte die Ölkrise von
1973 nach 25 Jahren ununterbrochener Steigerung des Lebensstandards
einen Bruch, einen Ansatz zum Umdenken. Autofreie Sonntage, eine
sprunghaft ansteigende Teuerungsrate und die Kombination von "Minuswachstum"
mit einer erschreckenden Zunahme der Arbeitslosigkeit veränderten
die Einstellung zum Geldausgeben bei vielen Deutschen schlagartig.
1970 Gründung der Baader- Meinhof-Gruppe. Sie sahen in einer gewaltsamen
Umwälzung das Mittel für eine grundlegende Verbesserung der gesellschaftlichen
und politischen Strukturen.
1970 Gründung der Partei "Die Grünen".
Willy Brandt wurde erster SPD-Bundeskanzler. Sein Appell "Mehr
Demokratie wagen" entsprach der Aufbruchstimung und dem Wunsch
nach mehr Mitbestimmung. Nach der Technikeuphorie zeigte sich
die Umweltverschmutzung.
Kritische Stimmen fragten nach dem Sinn: Bringt sich die Menschheit
durch den rasanten technischen Fortschritt nicht selbst an den
Rand des Abgrunds?
Auch in rechtsliberalen Kreisen geriet das Kaufen, das ständige
Ausweiten des persönlichen Besitzes in die Kritik. Die "Konsumgesellschaft"
führte zu einer Sinnentleerung. Die Hippie-Kultur lehnte Konsum
ohnehin ab.
Ob mit Drogen oder mit Heintje: Teile der Bevölkerung fliehen
aus der Realität, als der Konsum in die Kritik gerät.
Marion Gräfin Dönhoff rief damals zu "Selbstbescheidung
und Konsumdisziplin" auf. Ein neuer Lebensstil sei nötig, um nicht
die geistigen und moralischen Werte der Gesellschaft zu verlieren.
- In den 80ern war die Tendenz zu Konsumverzicht wie weggeblasen.
Im Gegenteil wurde parallel zu einer auf Status und Ästhetik fixierten
Jugendkultur mehr konsumiert als je zuvor. Die Autos und die Wohnungen
wurden größer, die Reisen weiter, wegen der Pendlerpauschale wurde
das Land durch Eigenheime zersiedelt, es wogte die Edelfresswelle.
1989 Mauerfall.
- 90er Zusammenbruch des kommunistischen Lagers. Einigung Deutschlands,
Wirtschaftsboom durch Nachholbedarf und Abwicklung.
Ende der 1990-er: New Economy-Blase
- 2000er nach chaotischer Wahl wird Bush trotz geringerer Stimmenzahl
US-Präsident. 2001 Angriff auf Word Trade Center, 2001 Beginn
des Afghanistankrieges, 2003 Beginn des Irakkrieges.
Trend zu Cabrios und Geländewagen sowie größeren Wohnungen und
Einfamilienhäusern.
2007 Erderwärmung und ansteigende Meeresspiegel wurden als Vorboten
einer Klimaveränderung erkannt. Der frühere
US-Vizepräsident Al Gore und der Weltklimarat erhalten für ihre
Arbeit, dem Klimawandel und seinen Folgen betreffend, den Friedensnobelpreis.
Noch in der ersten Jahreshälfte 2008 freut man sich in Deutschland
über hohe Lohnabschlüsse und eine sinkende Arbeitslosenquote, doch
bereits seit Herbst 2007 markiert die Immobilienkrise (Suprime)
in den USA den Beginn einer weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise.
Diese verschmilzt mit einer Überproduktionskrise und auch die Klimakrise
weitet sich aus.
2009 die "Multikrise" verschlingt Geld und Werte. Regierungen zahlen
maroden Banken und Versicherungen, die sich verzockt haben sowie
Betrieben, die am Bedarf vorbeiproduzierten, hohe Stützungsbeträge.
Der kurze Rückblick zeigt, die blau markierten Appelle, Aktionen
und Bewegungen zeugen zwar von Vernunft und Weitblick, verhallten
jedoch weitgehend unverstanden. Es waren unvollendete Vorwehen größerer
Veränderungen, die noch ausstehen.
Die gegenwärtige Regierung glaubt an eine baldige Erholung der Märkte,
strebt eine Fortsetzung der bisherigen Entwicklung an, hofft auf
ein weiteres ungebremstes Wirtschaftswachstum. Also weiter quantitatives
Wachstum? Profit steht im Vordergrund, unabhängig davon, was produziert
wird.
Nach dem Universal-Prinzip liegen die Ursachen in einem Ungleichgewicht
bei der individuellen und gesellschaftlichen Entwicklung …
Ungleichgewicht bei menschlicher und gesellschaftlicher Entwicklung
In den Menschen wurde durch das "Wirtschaftswunder" der Drang nach
Besitz, Bequemlichkeit und Status angeregt. Nach den Hungerjahren
fanden diese materiellen Gelüste in den Menschen verständlicherweise
massenhaft Resonanz. Nach der Zeit der gegenseitigen Hilfe und Kameradschaft
entstand bald eine Ellenbogengesellschaft; jeder war sich selbst
der nächste. Durch die einseitig materielle Orientierung entwickelte
sich ein Anspruchsdenken.
Die 68-er Bewegung wurde von lebensunerfahrenen, meist verwöhnten
Studenten aus gutem Hause ausgelöst. Auch die New Economy- und Suprime-Krise
wurden weitgehend von jungen, berufsunerfahrenen Absolventen (den
jungen Dynamischen) erzeugt. Die Vorstellungen der 68-er zu radikalen
Verhaltensänderungen, zur Umerziehung der Geschlechter, zum Verzicht
auf Autorität, Erfahrung und Geschichte sowie zu neuer Selbstfindung
und Individualisierung sollten einen Ausweg aus der materialistischen
Grundhaltung bieten - doch führten auch diese schließlich in eine
Sackgasse und - zu Egoismus. Die natürliche Entwicklung vom Ich
zum Wir wurde gehemmt, was zu einer Zunahme von Singles und zu einem
Geburtenrückgang führte.
Beides - Anspruchsdenken und Egoismus - endeten in einer Sinnkrise.
Führende Manager und Entscheidungsträger sogar im kommerzialisierten
Sport sind zunehmend in Korruptionsskandale verwickelt, Politiker
lassen Weitblick vermissen, Entscheidungen und Gesetze müssen nicht
selten kurz vor oder nach Inkrafttreten korrigiert werden.
Der Zusammenbruch der Vorbildwirkung der Führungsriege hinterlässt
ein Vakuum, führt zusammen mit der Orientierung von Medien und Politikern
an Quoten zum weiteren Absinken des allgemeinen Niveaus und durch
die Multikrise zu einer tiefgehenden Orientierungslosigkeit.
Es zeigt sich nun, dass die hoch bezahlten Eliten, die besten Absolventen
der teuersten Universitäten nichts anderes sind als Anpassungeseliten.
Nur ganz wenige Außenseiter sehen Ansätze, um die Multikrise zu
überwinden. Einer von ihnen könnte Obama sein.
Nach dem Universal-Prinzip entstanden durch das einseitige Wachstum
an materiellem Besitz freie anziehende Kräfte. Arten diese zu einer
Gier aus, kann sich eine Gravitationsspirale entwickeln (siehe Newsletter
vom Juni 2008: "Umweltverschmutzung,
Klimawandel, Artensterben ...")
Der historische Rückblick zeigt aber auch, dass die "graue Masse"
dem quantitativen Konsum aufgeschlossen ist. Teilweise übertreffen
sie in einer Art voraus eilendem Gehorsam die verordnete Tendenz
noch, indem viele bei Sonnenschein mit Abblendlicht und teilweise
zusätzlichen Nebelscheinwerfern fahren. Sie können den Zusammenhang
zwischen elektrischem Licht und Energieverschwendung nicht mehr
herstellen…
Nach dem Universal-Prinzip liegt die Ursachen für dieses merkwürdige
kollektive Fehlverhalten in der "Trägheit der Masse" …
Von der Unlust der Menschen zu Veränderungen
Menschen bestehen aus Materie, unterliegen daher der Trägheit:
"Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach". Um einen Menschen
zu aktivieren, muss er angeregt werden. Das kann durch das Vorbild
der Gesellschaft (dem Tun der Mitbürger, der Pflicht als Mitglied
der Gesellschaft) oder durch Motivation geschehen.
Trägheit ist auch der Gesellschaft eigen und sogar der Wissenschaft,
wie der Ausschnitt aus folgendem Interview von Spiegel online mit
dem Sozialpsychologen Harald Welzer zeigt:
Frage: Nach der klassischen liberalen Gesellschaftstheorie
sollten sich Markt und Freiheit gegenseitig bedingen.
Welzer: Das ist ja das Problem, dass die zuständigen Wissenschaften
solche Entwicklungen in den letzten Jahren völlig verpennt haben.
Die beschäftigen sich mit Diskursen und Metaproblemen, mit hochkomplexen
Foucaultschen Theorien oder mit der Kulturgeschichte des Fahrstuhls.
Sie bekommen aber nicht mit, wenn eine ganze Hemisphäre unterzugehen
beginnt, so wie 1989 der Ostblock. Damals ist die Gesellschaftstheorie
praktisch zum Erliegen gekommen.
Frage: Passiert beim Klimawandel derzeit das Gleiche?
Welzer: Ich denke schon. Man muss die Gesellschaftswissenschaftler
regelrecht darauf stoßen, dass die globale Erwärmung auch soziale
Folgen haben wird. Dabei geht es nicht nur um die erwähnten Flüchtlingskatastrophen,
sondern auch um kulturelle Fragen: Wie zum Beispiel ändert sich
die Identität der Schweiz, wenn in den Alpen alle Gletscher weggeschmolzen
sind?
Frage: Eigentlich nahe liegende Fragen…
Welzer: Ja, aber offenbar tun sich selbst Fachwissenschaftler schwer
damit, radikale gesellschaftliche Umbrüche zu erkennen. Ich vermute,
dass dies eine allgemein menschliche Schwäche ist. Unsere Selbstwahrnehmung
ist so strukturiert, dass wir nicht wirklich an die Möglichkeit
extremer Veränderungen glauben. Abstrakt wissen wir zwar, dass wir
vor einem gravierenden Problem stehen, aber dieses Wissen berührt
nicht ernsthaft unser Lebensgefühl.
Frage: Warum nicht?
Welzer: Weil es immer noch Frühling, Sommer, Herbst und Winter gibt;
weil die U-Bahnen fahren und die Zeitung jeden Morgen im Briefkasten
steckt. Die sozialen Routinen bleiben. Und die tatsächlichen Auffälligkeiten
denken wir uns weg. (…)
Wende vom qualitativen zum quantitativen Wachstum
Nach dem Universal-Prinzip ist eine Abkehr vom einseitig quantitativen
Wachstum erforderlich. Intelligentes Leben ist auf Dauer nur im
dynamischen Gleichgewicht zwischen quantitativem und qualitativem
Wachstum sinnvoll, wie die Evolution zeigt.
Während sich das quantitatives Wachstum des Turbokapitalismus an
Gewinnmaximierung, also lediglich an Zahlen unabhängig von sozialen,
politischen oder Umweltfolgen orientiert, fördert qualitatives Wachstum
die natürliche Entwicklung der gesamten Lebensgemeinschaft Erde.
Es gilt, Ausgleichsfelder* zwischen menschlichem Tun und umgebender
Natur aufzubauen, wie etwa durch die eingangs geschilderten Vorschläge.
Die wirtschaftliche, gesellschaftliche und klimatische Situation
unseres Planeten kann sich nur ändern, wenn sich der Einzelne aufmacht,
sein Handeln Stück für Stück zu verändern, notfalls auch ohne Vorbildwirkung
"von oben". In dem Moment, in welchem wir uns für ein natur-bejahendes
Leben entscheiden, werden etwaige Ängste vor kommenden Veränderungen
verschwinden, da wir dann unsere Zukunft selbst aktiv mitgestalten.
Wir werden ein seelisch-geistiges Wachstum erleben, das jene Leere
in uns füllt, die vorher zum übersteigerten materiellen Konsum geführt
hatte. Und - das wiedererlangte innere Gleichgewicht wird sich als
inneres Glück äußern.
Zur Ergänzung des Themas lesen Sie bitte auch unsere Newsletter
vom Mai 2008: Geldrausch erzeugt Spekulations-Tornado
an der Börse und vom Juni 2008: Umweltverschmutzung,
Klimawandel, Artensterben ...
*Ausgleichsfeld: Raum zwischen Körper und Umfeld, in welchem sich
die Wechselwirkungen zwischen Innen und Außen abspielen. Ausgleichsfelder
gleichen unterschiedliche Potenziale (wie Temperatur, Masse, aber
auch Realität und Wunsch) einander an. Beispiele für Ausgleichsfelder:
die Erdatmosphäre, der Duft einer Rose, die Wärme eines Ofens.
Mehr dazu finden Sie in unserem Buch: Das
Universal-Prinzip
Karsten Büttner Verlag
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